Befremdliche Qualität und emotionale Überforderung

Wow, was für eine Saison bis dato. Haben im Sommer noch die fachunkundigen Blog-Amateure vor der Rache der Waldschmidts und Kittels gebangt, spielt die Eintracht einfach mal die zweitbeste Runde Ihrer Geschichte, während letztgenannte nicht nur samt Ihrer Teams geschlagen wurden, sondern zudem auf den letzten Plätzen rangieren und dabei selbst kaum zum Einsatz kommen. History repeating. Nur mal nicht in Frankfurt. Stattdessen machen uns Bankok, Zorbas und Roberto Blanko neue Nachwuchshoffnungen. 
Was sind die Gründe für die tolle Hinrunde? Nun, ein Jesus Vallejo zum Beispiel bringt nicht nur eine für Eintrachtfans befremdliche Qualität und Reife mit, so dass man sich im Waldstadion in schöner Regelmäßigkeit  die Augen reiben muss.  Man hat schon fast vergessen, wie dieser vermeintlich unersätzliche… äh… na dieser Südamerikaner da, der immer so höchst fragwürdig in den Gegnern rumgestochert hat… wie hieß der jetzt nochmal? Naja egal… Zudem kristallisieren sich Abrahams und Hradeckys mehr und mehr als Leistungs- und Sympathieträger heraus. Andere Spieler wie Chandler und Oczipka sind im positiven Sinne nicht mehr wieder zu erkennen. Zudem hat es Kovac geschafft, der Mannschaft nicht nur eine beachtliche Mentalität, sondern ebenfalls ein spielerisches und kämpferisches Konzept einzuimpfen, in dem jeder seinen Platz findet und so ein funktionierendes Kollektiv entstehen kann. Zudem hängt die Mannschaft immer weniger am Meier-Tropf. Nach seiner Vertragsverlängerung schien das zuvor kolportierte Auslandsabenteuer auf die alten Tage verworfen. Kürzlich jedoch liebäugelte AMFG14 doch wieder mit einem Karrierefinale jenseits des großen Teichs. Die Uhren scheinen allmählich anders zu laufen und trotzdem streut der Lange immer noch mal einen ein. Super!
Zwei Spiele bietet das Jahr noch und die Chance darin, ist außerordentlich. Nicht nur trifft die Eintracht auf zwei Gegner, die aktuell nicht in Bestform agieren, darüberhinaus nimmt sich die Konkurrenz auch noch untereinander die Punkte weg. Die bereits beachtlichen 3 Punkte Vorsprung auf Platz sieben, könnten nicht nur mit ein wenig Glück ausgebaut werden, es ist auch ein Platz in der Winterpause drin, der selbst den geerdetsten Realisten lauthals das Rom-Mailand-London-Lied anstimmen lässt. Wenn es nicht doch wieder einmal eintracht-mäßig anders kommt. Kam es diese Saison aber überraschenderweise irgendwie nie so richtig, also warum nicht doch darauf hoffen? (Weil man als Einttachtfan dann doch immer pathologisch Panik hat, dass die Mannschaft genau in dem Moment, wo man sie lobt, den Karren doch noch irgendwie an die Wand fährt, darum!!!)
Apropos Heribert Bruchhagen. Ihn jetzt als Vorstandsvorsitzenden des HSV zu sehen, fühlt sich an, als sei Dendemann neuer Frontmann von Freiwild. Den einzigen Verein, dem man seit Jahren nichts als den hochverdienten Niedergang wünscht, nicht mehr uneingeschränkt verwünschen zu dürfen, überfordert emotional und kognitiv in verheerendem Maße und verstört mich zutiefst.