Fredi’s Bobbits und das böse F-Wort!

Das böse F-Wort.

Ein Synonym für “den Hammer fallen lassen”, das mit F anfängt…? Richtig! Fernsehgeldtabelle! Es ist inzwischen Frankfurter Tradition, dass, sobald ein Verwantwortungsträger der Eintracht das böse F-Wort ausspricht, die Mannschaft umgehend in Schockstarre verfällt und die Arbeit einstellt. Der einzige Trainer, bei dem das in jüngster Geschichte anders war? Richtig, der geschasste böse Wolf, äh, Schaaf. Vielleicht sollten Eintracht-Trainer darum in Zukunft vertraglich dazu verpflichtet werden, zum Saisonende zurückzutreten, damit die Mannschaft bis zum letzten Schlusspfiff abliefert, wenn das unter dem Werder-Thommy so gut geklappt hat. Die Platzierung unter Schaaf übrigens seinerzeit: Neunter! Diese Saison nicht mehr zu erreichen. Just saying.

Was habt Ihr abgehobenen Frankfurter denn eigentlich!?!

Ist es vermessen, nun enttäuscht oder sogar sauer zu sein, dass die Eintracht dieses Jahr nicht mehr erreicht hat als einen Platz im tabellarischen Niemandsland? Natürlich kann Europa nicht der Anspruch von Eintracht Frankfurt sein. Nora Tschirner ist auch nicht meiner, aber wenn Sie mich so penetrant auf einen Kaffee einladen würde, wie das internationale Geschäft die Eintracht im Frühjahr, würde ich wohl doch versuchen, es terminlich irgendwie einzurichten. Ich würde mir dabei vermutlich 90 Minuten in allen belangen unterlegen vorkommen, aber das wäre es wert gewesen. Die Antwort ist also: Natürlich! Wer das nicht versteht, kann nie ernsthaft selbst Sport im Wettbewerb betrieben haben.

Und dass der Mittelfeldplatz am Ende der Saison dieses Jahr eigentlich noch schlimmer ist, als erwartungsgemäß im Abstiegskampf zu landen und diesen nur mit Hängen und Würgen zu packen, sollte jedem Fußballromantiker einleuchten, in dessen Herzen noch noch ein Fünkchen Hoffnung irrlichtert, das eigene Team eines Tages vielleicht doch noch einmal besser als Platz 5 abschneiden zu sehen. Denn wenn Du kein absoluter Idiot bist, weißt Du es (zumindest als Frankfurt-Fan) besser und ist Dir bewusst, dass die Chance dazu so klein ist, dass Du den Gedanken lieber gleich vollständig abtöten solltest, um Dich nicht zum Volldepp zu machen. Es ist die Wut auf Dich selbst, dass Du der Hinrunde tatsächlich erlaubt hast, den verschüchterten Funken rauszulocken und zu verführen, nur um ihn dann von der laut und höhnisch lachenden Rückrunde erbarmungslos wie eine Ameise auf dem Badetuch wegschnipsen zu lassen. Stellt sich also die Frage, auf wen man eigentlich wütender ist: die Trottelmannschaft oder sich selbst, den Trottel, der sich dazu hat hinreißen lassen, dem Trottelteam heimlich, still und leise doch mehr zugetraut zu haben. Für den Rest meines Lebens weiß ich es jetzt besser. Ganz bestimmt! Also,… wahrscheinlich. Häkchen dahinter: sich doch sehr überzeugend zum Volldepp gemacht, check!

Eine Saison in 90 Minuten

Das erklärt vermutlich auch, warum vor diesem Hintergrund das Mainz-Spiel umso ärgerlicher war: angesichts des Kahlschlags in (kreativem) Mittelfeld und Abwehr, der Stürmerperformance, die zuletzt keine war und der bekannten Historie in Mainz wäre ein ätzendes 0:2 ein erwartungsgemäßer, zu verkraftender Standard gewesen. Wenn man dann aber nach 60 Minuten dennoch mit zwei Toren führt, ist der Rest des Spiels ein bitterer, schlechter Witz.

#faireFangesänge

Erinnert sich noch jemand an #faireFangesänge? Wenn der Eintracht-Mob früher mal wieder besonders finster rüberkommen wollte, wurde gerne einmal skandiert „Wir! Kriegen! Euch! Alle!“. Wenn ich sehe, wie schön die SGE gegen Wolfsburg und Mainz abgeliefert hat, hallt es in meinen Ohren: „Wir! Retten! Euch! Alle!“…

Personalien

Einigermaßen spannend ist auch die Tatsache, dass bislang so gut wie gar nichts über die Kaderpolitik zur neuen Saison bekannt ist (auch wenn soeben der erste Neuzugang bekannt wurde). Selbst vermeintlich klare Sachen wie der Abgang von Seferovic oder das Ziehen der Rebic-Option werden augenblicklich – völlig zurecht – offen gelassen. Das zeugt zumindest davon, dass die Verantwortlichen die Situation durchaus umfänglich kritisch hinterfragen. Zeitnahe Zuschläge in Sachen Neuverpflichtungen würden der maltretierten Fanseele jedoch sicherlich gut tun. Der Israeli Almog Cohen, der zwischenzeitlich bei der Eintracht gehandelt wurde und nun mit Ingolstadt abgestiegen ist, würde Frankfurt gewiss gut zu Gesicht stehen, wenn man nicht davon ausgehen muss, dass er bereits bei anderen Vereinen mit besseren Perspektiven auf dem Zettel gelandet ist – so wie Jerome Gondorf vom Nachbar aus Darmstadt, auch ein solider Sechser,  dessen Wechseln nach Bremen wohl fix ist.

Seien wir ehrlich: dass die Saison gelaufen ist, war in dem Moment klar, als bekannt wurde, dass Omar Mascarell in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen würde. Das bis dato überraschend gute Spiel nach vorne in Mönchengladbach kam umgehend nach seiner Auswechslung völlig zum Erliegen. Angesichts Hasebes Ausfall wiegt Husztis Weggang weiterhin überraschend schwer.

Andererseits mutet manche Personalentscheidung von Trainer Kovac durchaus seltsam an. Gacinovic, der in der letztjährigen Relegation auf den Flügeln so erfrischend und vielversprechend gewirbelt hat, für die gesamte Saison auf der 6 festzunageln, ist hart, aber angesichts des Mangels an Alternativen zumindest nachvollziehbar. Wieso Michael Hector jedoch zuletzt wiederholt in der Startelf stand, bleibt ebenso ein Rätsel, wie die Frage, warum man auf Gedeih und Verderb an der Fünferkette festhält. Warum Oczipka in der Mitte binden und sich seiner Offensivstärke berauben, wenn Marco Russ auf der Bank sitzt? Macht es nicht vielmehr Sinn, ihn in den Spielen, wo es um nichts mehr geht, Spielpraxis sammeln zu lassen? Warum ein völlig konfuser Aymen Barkok die Kastanien aus dem Feuer holen soll, ist ebenso völlig unverständlich, wenn Danny Blum fit auf der Bank sitzt.

Fredi’s Bobbits

Die Antwort kann nur heißen: Bobbits! Der Bobbit – oder auch Riesenborstenwurm – ist ein ähnlich wie das Spiel der Eintracht derzeit wenig ansehnliches Wesen, das am Meeresgrund festgewachsen vor sich hinzuharmlosen scheint und somit Gegner/Opfer in Sicherheit wiegt, auf dass sie sich ihm allmählich nähern. Was dann passiert, ist einen YouTube-Klick allemal wert. Hach, was wäre das schön, wenn die Kovacs auch Meeresbiologie drauf hätten, die Eintracht derzeit ein fieser Bobbit auf der Lauer wäre und der BVB ein siegesgewisser schwarzgelber Unicorn-Fish…Mlebenet!

Wenn schon, denn schon

Nun, da feststeht, dass mit Darmstadt und Ingolstadt zwei Kleinkaliber runter müssenund mit Hannover und Stuttgart zwei Großkaliber aufsteigen, ist es doch eigentlich nur gut, dass das internationale Geschäft nur noch zum „Preis“ eines Titels zu erreichen ist. Nächste Saison die Klasse zu halten, wird nicht nur wegen der aktuellen Formkurve mehr als schwierig, da ist es womöglich besser, sich auf die Liga konzentrieren zu können. Also wenn wir schon absteigen müssen, weil wir wieder durch Europa eiern müssen, dann aber bitte schön nur gegen einen Titel. Damit das klar ist!

Kovac raus?

Letzter Gedanke. Seien wir ehrlich: wäre Frankfurt im Pokal rausgeflogen, müsste Kovac nach dieser miesen Rückrundenbilanz doch eigentlich die Koffer packen! Sollte am Ende ein Titel stehen – würde das etwas ändern? Überraschenderweise scheint bislang tatsächlich so rein gar niemand den Trainer in Frage zu stellen. Interessante Notiz am Rande.

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